With Flying Colors
Die Ambivalenz der Fliege

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Seit der biblischen Geschichte von Noah und seiner Arche wissen wir von der gottgewollten Beziehung des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen sowie seiner Verantwortung für die Bewahrung der göttlichen Schöpfung. Seit Noah und seiner Arche wissen wir aber auch, dass häufig diejenigen, die auf Risiken und Missstände hinweisen, von der Gesellschaft nicht ernst genommen werden. Sie gelten im besten Fall als unverbesserliche Pessimisten oder gar als Spassverderber und Panikmacher. 

Die Frage, ob wir die Verantwortung gegenüber der Natur und unseren Mitgeschöpfen annehmen, ist aktueller denn je. Das Insekten- und Bodensterben könnten die letzten Warnungen an uns sein, denn ohne Insekten bricht unsere Welt, wie wir sie kennen, zusammen. Die Insekten sind vielleicht die wirklichen „Bewahrer unserer Schöpfung“, da sie für den „ewigen Kreislauf des Lebens“ sorgen – ohne dafür von uns Menschen eine besondere Beachtung oder gar Wertschätzung zu erhalten. Unachtsamkeit und Blindheit gegenüber diesem Geschenk der Schöpfung sollten sich in Achtsamkeit, Erkennen und Wertschätzen verwandeln.

 

Die Ausstellung: With flying colors 

Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen dunklen Flur, der von einem undefinierbaren Summen (Dolby-Surround, Soundeffekte, laut/leise, schnell/langsam, verzerrt) erfüllt ist. An den Wänden hängen schwarze Bilder, die von Strahlern beleuchtet werden. Während Sie daran vorbeigehen, entdecken Sie, zu Ihrer großen Überraschung, Fliegen. Bunte Fliegen, die sich auf den schwarzen Bildern niederlassen und zu lebenden Bildern werden. Nun kommen Sie in den eigentlichen Ausstellungsraum. Hier erwarten Sie die Stars der Ausstellung: Fliegen, die durch unterschiedliche Bemalungen zu Individuen mit einer ganz eigenen Ausstrahlung werden. übermenschengroß. Dann eine riesige Projektion. Ein Film mit den zum Kunstwerk gewordenen Insekten zeigt sie über Wände krabbelnd und unterstreicht das undefinierbare Gefühl zwischen Faszination, Schönheit, Leben, Ekel und Angst. Mit fliegenden Fahnen untergehen, faszinierend coloriert vorbeifliegen: der vergrößerte Blick auf Objekte, die wir sonst geflissenlich übersehen oder gar bekämpfen, lässt neue Einblicke, Erkenntnisse und Erfahrungen zu. Misstrauen und Mystik, Schönheit und Vergänglichkeit – tausende lebender Tiere treten dem Betrachter als Kunstobjekte gegenüber. Unkenntnis paart sich mit Neugier – so öffnen sich, Kippbildern gleich, neue Erkenntnis- und Erfahrungsräume. 

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Ich hatte mit einer Fliege gesprochen.

Ich wurde von ihr in eine andere, unheimliche und faszinierende Welt entführt. War es möglich dieses Erlebnis zu wiederholen? Und – wenn ja – wer und was würden mich erwarten? 

 

„O ihr Menschen, ein Gleichnis ist geprägt, so höret darauf: Gewiss, jene, die ihr anruft statt Allah, werden in keiner Weise vermögen, (auch nur) eine Fliege zu erschaffen, wenn sie sich dazu auch zusammentäten.  Und wenn die Fliege ihnen etwas raubte, sie können es ihr nicht entreißen.  Schwach ist der Suchende wie der Gesuchte.“ 

(Die Pilgerfahrt (Al-Hajj), Koran) 


„Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt; und wo der Markt beginnt, da beginnt auch der Lärm der großen Schauspieler und das Gewirr der giftigen Fliegen.“

(F. Nietzsche, Also sprach Zarathustra)


„Wie kann es einen doch unterhalten, eine Fliege gefangen zu haben, und sie unter einer Nussschale eingesperrt zu halten, und zuzusehen, wie sie mit dieser herumzulaufen vermag, …“

(Sören Kierkegaard)


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